Krav Maga, Lehrgang

Ein Weg zu echter Selbstwirksamkeit

Grenzen spüren, Grenzen schützen: Ein Weg zu echter Selbstwirksamkeit

Krav Maga wird oft mit Härte, Schweiß und Drill assoziiert. Doch effektive Selbstverteidigung beginnt lange vor dem körperlichen Kontakt. Sie beginnt im Kopf und im Herzen.

Vergangene Woche durften wir eine Erfahrung machen, die uns als Trainerteam tief bewegt und bestätigt hat: Wir haben einen speziellen Kurs in einer psychiatrischen Einrichtung durchgeführt, gemeinsam mit ambulanten und stationären Klientinnen.

Mehr als nur Technik: Das Recht, gehört zu werden

In diesem Training ging es nicht primär darum, die perfekte Schlagtechnik zu erlernen. Der Fokus lag auf dem Fundament jeder Sicherheit: Empowerment. Wir haben gemeinsam an Themen gearbeitet, die oft verschüttet sind:

  • Grenzen kennenlernen: Wo fängt mein Raum an? Was fühlt sich nicht mehr gut an?
  • Grenzen setzen: Wie kommuniziere ich ein klares „Stopp“?
  • Gehört werden: Das legitime Recht einfordern, dass die eigene Meinung und das eigene „Nein“ zählen.

Ein Realitätscheck, der weh tut

Dieser Kurs hat uns wieder einmal vor Augen geführt, wie wenig selbstverständlich es für viele Menschen ist, für sich selbst einzustehen. Das ist oft kein Zufall oder „Schüchternheit“, sondern das Ergebnis einer Geschichte von Grenzverletzungen.

Wenn wir uns die Fakten ansehen, wird das Ausmaß der gesellschaftlichen Realität erschreckend deutlich:

  • Die Kinderzimmer: Statistisch gesehen sind in Deutschland 1 bis 2 Kinder pro Schulklasse von sexueller Gewalt betroffen (Quelle: UBSKM / WHO).
  • Die Frauen: Jede dritte Frau in Deutschland erlebt mindestens einmal in ihrem Leben physische und/oder sexualisierte Gewalt (Quelle: BMFSFJ).

Diese Zahlen bedeuten konkret: Die Grenzen vieler Menschen – und besonders von Kindern – werden systematisch und oft über Jahre hinweg überschritten. Viele lernen früh, dass ihr „Nein“ nicht zählt, dass ihr Körper nicht ihnen gehört und dass Widerstand zwecklos ist.

Es macht demütig zu sehen, wie hart Menschen arbeiten müssen, um dieses fundamentale Recht auf Unversehrtheit überhaupt erst (wieder) zu lernen. Denn viele bekommen niemals die Chance oder die Unterstützung, diese Mechanismen der Ohnmacht zu durchbrechen.

Der Moment der Veränderung

Umso kraftvoller war es zu beobachten, was während des Trainings passierte. Wir nutzten Krav Maga Techniken, um den Teilnehmerinnen zu zeigen, dass sie handlungsfähig sind. Zu sehen, wie die Frauen im Laufe des Kurses mutiger wurden, lauter wurden und anfingen, sich ihren Raum zurückzuerobern, war für uns „State of the Art“ auf einer ganz menschlichen Ebene.

Wenn eine Person, der oft der Mund verboten wurde, plötzlich spürt, dass sie eine Stimme hat und diese benutzen darf, ist das mehr wert als jede perfekte Technik. Selbstverteidigung bedeutet, für die eigene Unversehrtheit einzustehen – körperlich und seelisch.

Wir sind dankbar für das Vertrauen der Einrichtung und der Klientinnen, sie auf diesem Stück Weg begleitet zu haben.

Stay Safe & Strong.
Euer Lehrteam vom Krav Maga Defcon TC Stuttgart

Wichtige Anlaufstellen & Informationen (Stuttgart & Umgebung)

Wenn du oder jemand in deinem Umfeld von Gewalt betroffen ist, gibt es professionelle Hilfe. Hier sind wichtige Adressen für den Raum Stuttgart und darüber hinaus: